Unser Programm

 

Schwerpunktreihe

Deutschland und der Kolonialismus

 

Der Kolonialismus galt als ein längst erledigtes Kapitel deutscher Geschichte. Während andere europäische Kolonialmächte nach 1945 unter schweren Erschütterungen ihre Kolonien in die Unabhängigkeit entließen, konnte Deutschland darauf verweisen, dass es als ohnehin „verspätete“ Kolonialmacht seinen gesamten Kolonialbesitz bereits 1919 verloren hatte. Der Kolonialismus – er schien vergangen und vergessen, auch in der Wissenschaft.

Seit einigen Jahren aber kehrt das Thema mit Wucht in Forschung und Öffentlichkeit zurück. Forderungen nach Entschädigung für die von Deutschen begangenen Kolonialverbrechen, Probleme mit der Rückgabe geraubter Kulturgüter in deutschen Museen und nicht zuletzt Fragen nach den Ursachen, Strukturen und Kontinuitäten eines allenthalben festgestellten Rassismus befeuern eine neue öffentliche Debatte über den Kolonialismus.

Was verstehen wir eigentlich unter Kolonialismus – und wie kam es dazu? Gab es eine spezifisch deutsche Variante? Welche Motive lagen der kolonialen Expansion zu Grunde, und wie sah sie in der Praxis aus? Wie wirkte der Kolonialismus auf die deutsche Gesellschaft zurück? Und wie sollen wir heute mit dieser historischen Last  umgehen? In unserer neuen Schwerpunktreihe „Deutschland und der Kolonialismus“ suchen angesehene Expertinnen und Experten nach Antworten auf diese Fragen.

Fotohinweis: Die historische Aufnahme eines unbekannten Fotografen zeigt einen sogenannten deutschen Kolonialherren in Togo um das Jahr 1885.

 

 

Veranstaltungsprogramm:

 

30. März 2022, 19 Uhr
Der europäische Kolonialismus im langen 19. Jahrhundert. Motive und Koordinaten
Vortrag von Prof. Dr. Benedikt Stuchtey (Universität Marburg)
Ev. Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart (Büchsenstraße 33)
In Kooperation mit dem Ev. Bildungszentrum Hospitalhof

23. Juni 2022, 18 Uhr
Koloniale Schatten. Westdeutsche „Entwicklungshilfe“ und „Solidarität“ der DDR in Afrika
Vortrag von Prof. Dr. Hubertus Büschel (Universität Kassel)
Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Konrad-Adenauer-Straße 16)

14. Juli 2022, 18 Uhr
Kolonialismus im Deutschen Kaiserreich. Weltgeltungsansprüche und rassistische Herrschaft
Vortrag von Prof. Dr. Ulrike Lindner (Universität Köln)
Württembergische Landesbibliothek Stuttgart (Konrad-Adenauer-Straße 10)

29. September 2022, 18 Uhr
Koloniale Träume und postkoloniale Wirklichkeit in der Weimarer Republik
Vortrag von Dr. Britta Schilling (Universität Utrecht)
Württembergische Landesbibliothek Stuttgart (Konrad-Adenauer-Straße 10)

10. Oktober 2022, 19 Uhr
Malerei und Kolonialismus. Emil Nolde in Ozeanien
Vortrag von Prof. Dr. Rebekka Habermas (Universität Göttingen)
Ev. Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart (Büchenstraße 33)
In Kooperation mit dem Ev. Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart

3. November 2022, 19 Uhr
Raub, Rettung, Restitution? Das Humboldt Forum und sein koloniales Erbe
Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger (Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz)
Linden-Museum Stuttgart (Hegelplatz 1)
In Kooperation mit dem Linden-Museum

 
Download Flyer "Deutschland und der Kolonialismus"
 
Bei der Podiumsdiskussion „Deutsche Staatsmänner postkolonial. Eine geschichtspolitische Herausforderung“ der Politiker-Gedenkstiftungen des Bundes beim Historikertag 2021 in München stehen postkoloniale Ansätze und Argumente im Mittelpunkt, über die auch in zunehmendem Maß in Deutschland wissenschaftlich und öffentlich debattiert werden.
Hier geht es zum Video.