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Streit ums Wählen! Wahlen und Wahlpraxis in Geschichte und Gegenwart

24. September 2025

Ein Beitrag von Redaktion

Das diesjährige Theodor-Heuss-Kolloquium in Stuttgart greift die aktuellen Debatten um Wahlen und Wahlpraxis in einem interdisziplinären Austausch auf. Welche Fragen besonders wichtig sind, welche Erwartungen er an die Konferenz hat und warum das Wählen wieder umstritten ist, skizziert Historiker Paul Nolte im 3einhalb-Fragen-Interview.

Herr Nolte, über das Wählen wir wieder gestritten. Warum?

Die Gründe sind paradox: Manche zweifeln, dass Wählen noch das geeignetste Mittel demokratischer Willensbildung ist – anderen ist es so wichtig, dass sie seine Ausgestaltung weitertreiben möchten, oder an aktuelle gesellschaftliche Debatten anpassen. Das gilt etwa für die Frage der Genderparität. Auch gilt es, Herausforderungen der illiberalen Demokratie abzuwehren. Insgesamt: ein faszinierendes Bündel von Aktualitäten. Und die Schwerpunkte des Streits sind in Deutschland zum Beispiel ganz anders als in den USA.

Theodor-Heuss-Kolloquium 2025: Streit ums Wählen! Historische Fachtagung am 01./02. Oktober 2025 in Stuttgart

Über das Wählen wird wieder gestritten. Wahlrecht, Wahlverfahren und die Zugänglichkeit von Wahlen stehen erneut im Mittelpunkt politischer Debatten – in Deutschland und darüber hinaus. Das Kolloquium nimmt historische Entwicklungen ebenso in den Blick wie aktuelle Reformen. Es fragt, wie sich gesellschaftliche Konflikte in der Wahlpraxis und in der Gestaltung von Wahlsystemen zeigen.

Der Streit ums Wählen steht im Zentrum des diesjährigen Theodor-Heuss-Kolloquiums. Welche Erwartungen haben Sie an die Konferenz?

Wir wollen nicht eine Spezialfrage behandeln, zum Beispiel die Absenkung des Wahlalters auf 16, sondern uns einen Überblick über die Konflikte und Diskurslagen verschaffen. Das geht nur in historischer Perspektive, mit dem Blick auf die verschiedenen Zeitschichten, und vor allem: interdisziplinär. Wichtig ist uns auch, eine Brücke zu schlagen zwischen den eher wissenschaftsinternen Debatten, die in der Öffentlichkeit kaum ankommen – etwa, ob das Wählen durch Losverfahren abgelöst werden soll –, und dem heftigen politischen Streit, zum Beispiel um die letzte Wahlrechtsreform in Deutschland und ihre womöglich anstehende Revision. Dazu dient nicht zuletzt die öffentliche Podiumsdiskussion (öffnet in neuem Tab) am Abend des 01. Oktober.

Paul Nolte

ist seit 2005 Professor für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Zeitgeschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört die Geschichte der Demokratie seit dem 18. Jahrhundert, zu der er zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt hat. Paul Nolte ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus.