Geist und Anti-Geist von Locarno
Über den Spirit einer internationalen Vertragsverhandlung
Vor 100 Jahren versuchten mehrere europäische Regierungsvertreter, mit den Verträgen von Locarno den Frieden und die Verständigung in Nachkriegseuropa abzusichern. Die Historikerin Vanessa Conze erklärt im 3einhalb Fragen-Interview, welche Europaideen in Locarno vorherrschten und welche Relevanz die Verträge für die heutige internationale Ordnung haben.
Frau Conze, bedeutsamen Konferenzen wird häufig ein gewisser „Spirit“ nachgesagt. Was war 1925 der „Geist von Locarno“?
Mit dem „Geist von Locarno“ haben sich die Zeitgenossen auf die spezifische Atmosphäre bei der Konferenz von Locarno bezogen: Die Stimmung war geprägt von persönlichem Austausch der Politiker und Diplomaten, auch jenseits der offiziellen Verhandlungen. Diese neue Art der Kommunikation ermöglichte – nach Jahren der unversöhnlichen Konfrontation – inhaltliche Kompromisse. Jenseits der Konferenz selbst entwickelte sich das Schlagwort vom „Geist von Locarno“ bald zum Synonym für die Hoffnung, die viele Zeitgenossen mit der Konferenz verbanden: Eine Hoffnung auf „wahren“ Frieden, der nun, sieben Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, durch die Kraft der Versöhnung endlich möglich schien. Doch von Anfang an gab es auch so etwas wie einen „Anti-Geist“ von Locarno: Im Deutschen Reich etwa als „Locarno-Psychose“ (Kuno Graf von Westarp, DNVP) verunglimpft, wurden die Konferenzergebnisse diskreditiert und delegitimiert. So rief der „Geist von Locarno“ große Hoffnungen und großen Hass zugleich hervor.
Das ganze Interview lesen Sie auf dem Theoblog.