Unser Programm

 


Theodor-Heuss-Kolloquium 2017: Liberalismus und Nationalsozialismus - eine Beziehungsgeschichte


Termin:
14./15. September 2017

Veranstalter: Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und sein Zentrum für Holocaust-Studien

Ort:
Institut für Zeitgeschichte, München

Tagungsleitung:
Frank Bajohr (München), Ernst Wolfgang Becker (Stuttgart), Johannes Hürter (München), Elke Seefried (München/Augsburg)

  • Tagungsbericht auf H-Soz-Kult (folgt)

 

Liberalismus und Nationalsozialismus trennten tiefe politische und weltanschauliche Differenzen. Der liberale Wertekanon, aus dem 19. Jahrhundert tradiert und auf Freiheitsrechte, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft ausgerichtet, stand im diametralen Gegensatz zum antiliberalen, totalitären und rassenideologischen Ideenkern des Nationalsozialismus. Doch das wechselseitige Verhältnis war weitaus ambivalenter, als liberale Narrative nach 1945 glauben machen wollten. Bei allen Gegensätzen und Abgrenzungen lassen sich ideelle Schnittmengen, Kontinuitäten und Parallelitäten zwischen Liberalismus und Nationalsozialismus ausmachen.

Ziel der Tagung ist es, das breite Spektrum liberaler Wahrnehmungen, Denkmuster und Praktiken in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im 20. Jahrhundert zu untersuchen. Dahinter steht die Frage, inwieweit sich liberale Strömungen gegenüber einer totalitären Weltanschauung behaupten konnten oder an ihr im „Zeitalter der Extreme“ partizipierten. So ist zunächst zu untersuchen, ob etatistische, nationalistische und völkische Prägungen des Wilhelminischen Liberalismus Anknüpfungspunkte zum Nationalsozialismus während der Weimarer Republik boten. Lassen sich – daran anschließend – während des „Dritten Reichs“ hybride ideologische Annäherungen ausmachen, die sich auch auf der Handlungsebene niederschlugen? Dabei sind politische wie auch wirtschaftliche Aspekte und der Blick über die Grenzen des Deutschen Reiches zu berücksichtigen.  Anhand von Einzelpersonen und Netzwerken sollen ferner differente Wahrnehmungen und Praktiken von Liberalen in ihrer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus aufgeschlüsselt werden, die auch den Widerstand und die Emigration umfassen. Ein abschließender Blick gilt der Zeit nach 1945. Ohne Zweifel bildeten Liberale einen Pfeiler des staatlichen Wiederaufbaus und der demokratischen Lernprozesse. Doch inwieweit blieben sowohl in der Bundesrepublik wie auch in Österreich nationalistische, gar nationalsozialistische Denkhaltungen in Teilen des liberalen Spektrums präsent?


Einführung

 

Elke Seefried (München/Augsburg):

Begrüßung und Einführung (pdf)

 


 


Sektion 1: Völkisch-nationalistisches Ideenreservoir: Abgrenzungen und Anknüpfungen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik

 

Oded Heilbronner (Jerusalem):

From Popular Liberalism to Radical Nazism.
The case of Greater Swabia from early 1860s-early 1930s
(pdf)

 


Ulrike Jureit (Hamburg):

Liberaler Imperialismus?
Interdependenzen zwischen Imperialität, Großraumdenken und Lebensraumideologie
(pdf)

 

 

Thomas Vordermayer (München):

Die Kehrtwende des Wilhelm Stapel.
Von den liberalen Anfängen eines völkischen Publizisten und ihrer national(sozial)istischen Revision nach 1918
(pdf)

 

 

 


Sektion 2: Liberalismus und Nationalsozialismus: Wahrnehmung und Interaktion


Frank Bajohr (München):

Zwischen Gegnerschaft, Geringschätzung und Nichtbeachtung:
Der Liberalismus aus Sicht führender Nationalsozialisten
(pdf)

 

 

Eric Kurlander (DeLand/USA):

Liberal Women and National Socialism.
(Dis)continuties in Conceptions of Race, Space, and Social Policy, 1930-1939
(pdf)

 

 

Iris Nachum (Jerusalem):

Die Deutschdemokratische Freiheitspartei in der Tschechoslowakei (pdf)

 

 

 

Philipp Müller (Hamburg):

Wirtschaftskoordination und Reform des Liberalismus.
Das Zusammenspiel von Internationaler Handelskammer und NS-Regime in den 1930er Jahren
 (pdf)

 

 

Joachim Scholtyseck (Bonn):

Liberale und „Arisierungen“: Einige Fallbeispiele und ein Ausblick (pdf)

 

 


Sektion 3: Liberale im Nationalsozialismus und im Exil: Personen und Netzwerke


Beate Meyer (Hamburg):

Liberale in der NS-Administration: Werner Stephan
Sich selbst treu geblieben?
(pdf)

 

 

 

Manuel Limbach (Bonn):

Bayerische Liberale im Widerstand gegen Hitler:
Otto Geßler und Eduard Hamm
(pdf)

 

 

 

Christopher König (Bochum):

„Die Fronten sind andere geworden…“
Liberale Kulturprotestanten und der Nationalsozialismus am Beispiel der Zeitschrift „Die Christliche Welt“
(pdf)

 

 

 

Helke Rausch (Freiburg i. Br.):

Liberalismus und Nationalsozialismus bei Ernst Jäckh –
liberaler Phoenix, Grenzgänger und atlantischer „Zivil-Apostel“
(pdf)

 

 

 

Ernst Wolfgang Becker (Stuttgart):

Gustav Stolper: die Auseinandersetzung des liberalen Wirtschaftspublizisten mit Liberalismus und Nationalsozialismus in Weimarer Republik und Emigration (pdf)

 

 

 


Sektion 4: Liberale und die nationalsozialistische Vergangenheit nach 1945

Margit Reiter (Wien):

„National“ versus „liberal“?
Politische Konfliktlinien und Deutungskämpfe im Verband der Unabhängigen (VdU) und in der FPÖ 
(pdf)

 

 

Kristian Buchna (Stuttgart):

„Liberale“ Vergangenheitspolitik.
Die FDP und ihr Umgang mit dem Nationalsozialismus
(pdf)