Theo baut um!

Die Dauerausstellung des Theodor-Heuss-Hauses wird bis Herbst 2022 neu gestaltet. Und nicht nur das. Das Wohnhaus wird umgebaut und der Garten wird Teil des Gesamtkonzepts „Demokratie als Lebensform“.

 

Die Ausstellung wird künftig die „entscheidenden Momente“ von Theodor Heuss widerspiegeln. Dazu ist die Ausstellung in 21 Wegmarken unterteilt. „Wir werden nicht chronologisch und lückenlos das Leben von Theodor Heuss und seiner Ehefrau Elly Heuss-Knapp erzählen, denn wir wollen das 20. Jahrhundert im Hinblick auf diese beiden Biografien neu denken“, sagt Dr. Thomas Hertfelder, Geschäftsführer der Stiftung. In der neuen Ausstellung werden sich Besucher an Leitobjekten orientieren können. So steht beispielsweise das Fahrrad von Elly Heuss-Knapp symbolisch für die Emanzipation der Frau und die Frauenbewegung. Außerdem werden Interaktivität und der Medieneinsatz eine größere Rolle spielen. Statt der Hörlöffel aus den 1990er-Jahren kommen Touch-Screens zum Einsatz.

Neben dem Grundgesetz  wird auch Elly Heuss-Knapp künftig stärker in den Fokus gerückt. „Sie wird nicht gleichwertig präsent sein, aber mehr Aufmerksamkeit bekommen. Denn Elly war nicht nur ‚die Frau an seiner Seite‘, sondern hatte ein Leben mit eigener Akzentsetzung in der Frauengeschichte, als Lehrerin oder Werbefachfrau“, sagt Hertfelder. In der Ausstellung werden ihre Werbeslogans für Nivea, Persil oder Knorr zu sehen sein.

Bundespräsident und Bürgernähe

Das Thema Bundespräsident bekommt einen eigenen Raum innerhalb der Ausstellung. Der Besucher lernt das Amt  aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Stellenweise sind es auch witzige Seiten, verrät Hertfelder. Den Besuchern werden typische Insignien des Amtes vorgestellt - etwa das Autokennzeichen 0-1, die Bundespräsidentenstandarte, Abendrobe einer First Lady oder das Rednerpult im Schloss Bellevue. „Uns war wichtig auch die Bürgernähe anschaulich zu vermitteln, denn wir wollen ein diverses Publikum ansprechen“ ergänzt Dr. Ulrich Hermanns, der Ausstellungsgestalter. So werden auch Prominente der Bundesversammlung wie die Drag Queen Olivia Jones oder Bundestrainer Jogi Löw gezeigt. „Neben diesem Augenschmaus bieten wir aber auch informative Themen über digitale Medien, die von Schulklassen für den Geschichtsunterricht genutzt werden können“, unterstreicht Hermanns das Konzept.

Die Haltung der Zurückhaltung

Der Blick auf den Grundcharakter des Bildungsbürgers Theodor Heuss wird aber weiterhin erhalten bleiben, sagt Hertfelder. Dafür werden neben dem Bundespräsidenten-Raum die drei bisherigen Räume im Erdgeschoss – Wohnzimmer, Arbeits- und Esszimmer – erhalten bleiben. „Diese Räume atmen sehr viel 1950er- und 1960er-Jahre-Luft. Sie geben einen guten Eindruck wie mein Großvater in diesem Haus gelebt hat“, beschreibt Dr. Ludwig Theodor Heuss die Atmosphäre. Er ist stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und Enkel von Theodor Heuss. Denn es bleibe von historischem Interesse, wie ein Bundespräsident lebt und mit Heuss zudem der erste nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei der Umgestaltung des Hauses haben wir großen Wert darauf gelegt, dass die „Anmutung des Wüstenrot-Bausparkassen- Hauses erhalten bleibt“, betont Hertfelder.

Der rote Faden ist Schwarz-Rot-Gold

„Denn“, so Ausstellungsgestalter Dr. Ulrich Hermanns, „die Ausstellung soll keinen staatstragenden Duktus haben. Sie soll facettenreich sein und Schlaglichter präsentieren.“ In der neuen Ausstellung werden bisher bestehende Zwischenwände herausgenommen, sodass Besucher zwischen den Epochen Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus oder Bundesrepublik wechseln können. Ein herausragendes  Merkmal ist die Farbkomposition: Schwarz-Rot-Gold. „Die Farben der Demokratie weisen den Weg in unterschiedlicher Interpretation durch die Räume“, erläutert Hermanns das Konzept. Eine Herausforderung war die hohe Informationsdichte, räumt der Gestalter ein. Aber diese wurde in der Konzeption durch Medieninstallation ansprechend aufbereitet. Mit der Medienlounge ist außerdem eine Art Wohlfühlbereich geschaffen worden, der dem Besucher auch den Blick in den Garten eröffnet.

Garten als Leuchtturm offener Gesellschaft

Der Garten soll künftig eine „würdiger Rahmen für die Gestaltung von Herrn Herrmanns sein“, sagt Architekt Florian Stocker. War der Außenbereich bisher nur in den Sommerwochen oder bei Festivitäten geöffnet, will Stocker mit der Verschränkung von Haus und Garten einen „Leuchtturm der offenen Gesellschaft“ erschaffen. Der Architekt wünscht sich einen Erfahrungsraum. So soll eine Hermann-Hesse-Bank zum Verweilen und Nachdenken einladen. Der Schriftsteller und Theodor Heuss waren zeitlebens freundschaftlich verbunden. Eine Berliner Litfaßsäule im Stil des Kaiserreichs wird an den Deutschen Werkbund erinnern. Kinder können über einen Kinderpfad im Garten auf ihre Art und Weise die Natur entdecken. Die kleinen Besucher werden auch in der Dauerausstellung bedacht.  Sie erhalten ein kostenfreies Heft, mit dem sie auf einer Kinderspur altersgerecht die Ausstellung erkunden können. „Wie transformieren wir diese Erinnerungsorten, die positiv besetzt sind in unsere Demokratiegeschichte? Wie bringen wir diese in das Bewusstsein der heutigen Generation?“ Diese Fragen stellten sich Thomas Hertfelder und die Kuratoren der Stiftung zu Beginn der Ausstellungsplanung. Eine von vielen Antworten haben sie bereits gefunden: „Das Thema Populismus werden wir in der Ausstellung aufgereifen“, sagt Hertfelder.

 

 

#closedbutopen

Während der Schließzeit wird die Öffentlichkeit digital am Fortschritt der neuen Ausstellung teilnehmen können. Auf der Homepage wird das Socia-Media-Motto #closedbutopen umgesetzt. Videos sollen dem Besucher die Fortentwicklung der neuen Ausstellung zeigen. Besondere Objekte des Hauses können heute schon im Format „Heuss digital“ angeschaut werden. Auch Veranstaltungen werden in 2021 und 2022 stattfinden. Dazu hat die Stiftung  mit dem Hospitalhof und der Württembergischen Landesbibliothek Kooperationen aufbauen können. Die genauen Termine entnehmen Sie bitte unserem Programm und unserer Homepage.

 

 

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Das Theodor-Heuss-Haus schließt nach 18 Jahre für den Umbau der Dauerausstellung. Bis 30.12.2020 waren 200.000 Besucher im Haus des ersten Bundespräsidenten zu Gast. Es gab 20 Sonderausstellungen und gut 40 Veranstaltungen pro Jahr rund um historische, politische und aktuelle Themen. Die Wiedereröffnung des Hauses ist für den 12. September 2022 geplant – dem 73. Jahrestag der Wahl von Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik.


 Priba

 

Meldung vom 03.02.2021
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